Deutlich mehr Patienten in Deutschland gehen immer länger wegen Ängsten, Depressionen oder Burnout in stationäre Behandlung. Experten mahnen, dass auch die ambulante Versorgung besser werden muss. Doch auch HR-Abteilungen und Führungskräfte sind gefordert, bei Arbeitsklima und -organisation auf psychisch belastende Aspekte zu achten.
Psychische Störungen wie Depressionen sind zu einer Volkskrankheit geworden. Immer mehr Menschen kommen deswegen ins Krankenhaus, ergab eine Studie der größten deutschen Krankenkasse Barmer GEK.
Wie viele psychisch Kranke kommen in Krankenhaus?
Innerhalb von 20 Jahren haben sich die Fälle nach und nach mehr als verdoppelt. Mussten 1990 statistisch 3,7 von 1000 Versicherten wegen seelischer Erkrankungen stationär behandelt werden, waren es im vergangenen Jahr 8,5 von 1000.
Hinzu kommt, dass die Patienten mit psychischen Störungen sehr lange stationär behandelt werden, durchschnittlich 31 Tage. Insgesamt bleiben Krankenhauspatienten nur gut 8 Tage.
Was sind Gründe für die wachsenden Probleme?
Führende Diagnosen bei Klinikaufenthalten sind psychische Störungen und Verhaltensstörungen durch Alkohol - vor allem bei Männern.
Der generell wachsenden Druck im Berufsleben, Angst vor Jobverlust und instabile finanzielle Situationen sind enorme Belastungen und Auslöser für psychische Leiden.
Eigentor: Ängste nicht funktionalisieren
Vorgesetzte und Unternehmen sind gut beraten, solche Ängste nicht aus taktischen Gründen zu mobilisieren, denn die Rechnungen zahlen durch die Folgekosten und Umlageverfahren letztlich auch die Unternehmen selbst.
Wie erfolgreich sind Behandlungen im Krankenhaus?
Die Erfolgsbilanz der Kliniken sei durchwachsen, lautet ein Fazit der Barmer-GEK-Studie. Viele Patienten werden bereits nach wenigen Wochen oder Monaten erneut stationär behandelt. Ein Jahr nach der Entlassung wird fast ein Viertel nochmals mit derselben Diagnose eingewiesen. Für die Zeit nach der Entlassung empfiehlt die Klinik meist eine Psychotherapie oder Medikamente. Auf die Therapie müssen rund 60 % aber einen Monat oder länger warten.
Was kann verbessert werden?
Handlungsbedarf gibt es bei der ambulanten Versorgung. Diese müssten besser genutzt werden, fordert die Barmer GEK. Therapien könnten häufiger auf 45 statt auf 80 Stunden angelegt werden, sagt Vize-Vorstandschef Rolf-Ulrich Schlenker. Neben individuellen Behandlungen sollten zusehends Gruppentherapien angeboten werden.
Doch auch die Arbeitgeber und Personalverantwortliche können durch entsprechende Führung, Sensibilisierung, Abbau von Schwachstellen in Arbeitsverteilung und -organisation entscheidend gegensteuern.